The Far Shore

Liederabend

Anna El-Khashem und Keval Shah erkunden Formen des kulturellen Austauschs und der Begegnung des (vermeintlich) Fremden in Liedern von Georges Bizet, Frank Bridge, Ernest Chausson, Reena Esmail, Fairuz, Gabriel Fauré, Reinhold Glière, Richard Hageman, Nikolai Rimski-Korsakow, Anton Rubinstein, Kamala Sankaram und Robert Schumann.

Anna El-Khashem(Sopran Programmgestaltung)
Keval Shah (Klavier, Programmgestaltung)

Thoughts on the Programme

Keval Shah, August 2025

When Anna and I were designing this programme, we were interested in how our perspectives and experiences as artists with non-European heritage shape our relationship with Lied repertoire, and how the world of song might be shaped in future by the more multicultural and globalised society in which it now exists. To explore this, we had to begin by examining how the relationship between European and extra-European cultures has been expressed in Lied repertoire, and here there is a wealth of music to choose from: significant poets in the Lied canon such as Goethe, Mayerhofer, Rückert and Daumer were all fascinated by the literary and artistic cultures of Persia, and this was an interest shared by composers like Schubert, Schumann, Brahms and others. In France, too, orientalism and exoticism became core aesthetic passions for generations of poets and composers across the 19th and early 20th centuries. In all of these cases, European poets and composers are adopting techniques and imagery from an ‘imagined’ sense of distant lands into their work, constructing poetic and musical ‘distance’ in order to capture the allure and mystery of being ‘In der Fremde’ (to borrow a line from Schumann).

Gedanken zum Liedprogramm

Keval Shah, August 2025

Als Anna und ich dieses Programm entwarfen, interessierte uns, wie unsere Perspektiven und Erfahrungen als Künstler*innen mit nicht-europäischem Hintergrund unsere Beziehung zum Liedgut prägen und wie sich die Welt des Liedes durch die multikulturellere und globalisierte Gesellschaft, in der es heute existiert, künftig verändern könnte. Um dies zu erforschen, galt es zunächst zu untersuchen, wie das Verhältnis zwischen europäischen und aussereuropäischen Kulturen im Liedgut zum Ausdruck gebracht worden ist. Hier gibt es eine Fülle an Musik zu erkunden: Bedeutende Dichter des Liedkanons wie Goethe, Mayerhofer, Rückert und Daumer waren fasziniert von Literatur und Kunst der Kulturen Persiens – und dieses Interesse teilten Komponisten wie Schubert, Schumann, Brahms und andere. Auch in Frankreich wurden Orientalismus und Exotismus zu zentralen ästhetischen Leidenschaften ganzer Generationen von Dichter*innen und Komponist*innen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In all diesen Fällen eigneten sich europäische Dichter*innen und Komponist*innen Techniken und Bilder einer imaginierten Ferne an, wobei sie dichterische und musikalische ‚Distanz‘ konstruierten, um so den Reiz und das Geheimnis des „In der Fremde“-Seins (um eine Zeile von Schumann zu entlehnen) einzufangen.