In der Schwebe

Nach dem Besuch unseres zweiten Salons reflektiert Ulrich Bahrke diesen und stellt sich ausgehend von eigenen Erinnerungen die Frage, was einen Salon eigentlich ausmacht. Hier gewährt er uns Einblick in sein Journal.

Eine Reflexion von Ulrich Bahrke
Zum Salon «Wandel und Erneuerung: Aufbrüche»

Der frühherbstliche Sonntag-Nachmittag zeigte sich noch einmal ungewöhnlich sommerlich, als ich die Strasse nach der mir dezent mitgeteilten Hausnummer absuchte. Judit hatte mich eingeladen zum Salon des von ihr kuratierten Liedfest Zürich in eine Zürichberg-Villa. Ihre Einladung war mir Grund genug, mich in diese mir sonst nicht «zugängliche» Gegend aufzumachen; ehrlich gesagt, hatte ich die Webseite der Ankündigung zwar gelesen, aber nur flüchtig, ich war nicht wirklich vorbereitet. Ein Salon in Zürich im Jahre 2025, braucht es das? Wer? Wozu? Judit jedenfalls als professionelle Pianistin und Liedbegleiterin hat andere Qualitäten und Wirkmöglichkeiten als die bekannten Salonnièren wie etwa Rahel Varnhagen, Johanna Schopenhauer oder Caroline Schlegel, die sich in ihrer Zeit nur dadurch in eine ihnen angemessene Position bringen konnten, eine gebildet-kunstsinnige Runde im Cercle intime um sich zu scharen.